Nächstenliebe lebendig werden lassen

Maria und Joseph waren unterwegs, als ihr Kind geboren wurde. Der große Kaiser Augustus im fernen Rom hatte alle Bewohner seines Reiches zu einer Steuerschätzung befohlen. Jeder sollte dazu sich in seinem Geburtsort in Steuerlisten eintragen lassen. Joseph stammte aus Bethlehem, wohnte jedoch in Nazareth. Er machte sich mit seiner Frau Maria also auf ins entfernte Bethlehem. Dort angekommen hatten die beiden ein Problem: Kein Quartier. Wo sollten sie jetzt unterkommen?

Auf dem Weg zur Krippe... Foto: Lotz

In unseren Krippenspielen an Heiligabend treten oft Wirte von Gasthäusern auf, die das arme Paar weiterschicken, weil sie (angeblich) nicht helfen können - in die Hoffnungslosigkeit.

Die Situation erinnert mich an die vielen Menschen, die auch heute noch unterwegs sind. Menschen, die auf der Flucht sind vor Krieg in ihrem Land, auf der Flucht vor Verfolgung und Diskriminierung (weil sie z.B. eine andere sexuelle Orientierung haben), auf der Flucht vor Hunger. Sie wollen ein besseres Leben anfangen, ein besseres Leben - vielleicht auch bei uns. Und wir? Nehmen wir sie auf? Oder schicken wir sie weg wie die Wirte damals Maria und Joseph?

Ich frage mich, wo kämen Maria und Joseph bei uns unter? Oder würden wir sie auch weiterschicken, wie manche unter uns, die Flüchtlinge heute weiterschicken und wegbringen wollen?

In der Geschichte erbarmt sich endlich einer, er nimmt Maria und Josph auf und bringt sie in einem Stalll unter, bei Ochse und Esel. Dort kann Maria ihren Sohn zur Welt bringen, Jesus, der zugleich Sohn Gottes ist, Jesus, der die Nächstenliebe predigt.

Mehr als eine schöne Geschichte

Weihnachten ist für mich nicht nur eine schöne Geschichte, sondern bewegt etwas in mir. Ich merke, dass ich mich mehr um die Menschen kümmern muss. Nächstenliebe soll lebendig werden. Ich will Maria, Joseph und auch Jesus aufnehmen. Ich will mich um unsere Mitmenschen, die unsere Hilfe brauchen, kümmern. Dann kann es wirklich Weihnachten werden.


Ihr
Pfarrer Roland Höhr